Blog, Homepage, Facebook Profil – Ich will ins Internet

Manch ein Kleinunternehmer überlegt erst jetzt, mit einem Auftritt im Internet zu starten. Online Erreichbarkeit, ein zusätzlicher Werbekanal, ein bestimmter Hang zum Hype sind Gründe, die häufig genannt werden. Also dann? Beginnen wir.

Blog weltweit
Foto: Thorben Wengert  / pixelio.de

Aber mit was? Mit einem reinen Blog? Ein Firmen-Facebookprofil? Oder doch nur die olle Homepage?

Ich plädiere an dieser Stelle für einen reinen Corporate Blog (s. Roadmap). Es gibt Gründe dafür und dagegen. Mit Sicherheit hängt das von den Zielen im Internet ab oder von einer "Einbettung in die Biosphäre des gesamten Online Marketing Mix", wie man mir kürzlich im Zug erklärt hat.

Nun, von diesen Dingen verstehe ich nichts. Mag sein, dass derjenige Recht hatte, aber verdammt, es ist doch nur ein Blog! Dennoch muss sich der geneigte Leser für sein Unternehmen überlegen: eine klassische Homepage mit nur statischen, festen Seiten, in denen sich kaum einmal der Inhalt ändert? Ein Facebookprofil, das ja dann genauso als Homepage erreichbar und gleichzeitig an die Unzahl von Facebooknutzern gerichtet ist? Oder eben ein selbständiges Corporate Blog, das lediglich Schnittstellen zu Facebook nutzt, um bspw. Besucherzahlen auf das Blog zu lenken?

Daneben – nur der Vollständigkeit halber – gibt es natürlich Zwischenlösungen wie Homepagebaukästen und andere Angebote für € 9,99 im Monat, auf die ich hier nicht eingehe.

Um zu zeigen, welche Typen von Internetauftritten ich meine, hier eine kleine Übersicht. Alle drei kann man als in ihrer Art gelungen ansehen. Das Beispiel für die reine Homepage zeigt die Andl GmbH + Co. KG Schreinerei. Wie man es eben kennt: Über Uns – Leistungen – Referenzen – Kontakt per E-Mail. Inhaltlich ändert sich auf Seiten wie diesen in der Regel nicht viel – Besucher werden oft über Google Adwords herangeholt.

Homepage Schreinerei
Quelle: http://www.schreinerei-andl.de, Stand: 14.03.2013

Das Beispiel für einen guten Corporate Blog zeigt uns das Weingut Mayer in Pillersdorf, Österreich, unter dem Titel "Der Winzer & die Kärntnerin". Der letzte geschriebene Beitrag der Blogbetreiber ist sofort ganz oben zu lesen (siehe Datum), ältere Aufsätze folgen und sind außerdem bei den "Themen" zu finden.

Weingut Weblog
Quelle: http://www.weinviertel-kaernten.blogspot.de, Stand: 14.03.2013

Zu guter letzt sehen wir das Facebook Profil der TurboZentrum GmbH in Berlin. Einige Firmen haben solch ein FB-Profil zusätzlich zu ihrer Homepage, andere verzichten ganz auf eine eigene Homepage und bauen nur auf Facebook.

Profil Motor Tuning
Quelle: https://www.facebook.com/turbozentrum, Stand: 14.03.2013

Ich würde eine Bloglösung bevorzugen, was Sie aber bereits eventuell haben, sollten Sie deshalb nicht aufgeben. Eine Homepage kann mit einem Blog gut kombiniert werden, ebenso ein Facebookauftritt.

Ob Facebook in 5 – 10 Jahren wohl immer noch so beliebt ist? Als Blogbetreiber muss Sie diese Frage kaum scheren. Sie können FB trotzdem als Zusatzkanal nutzen. Falls Sie Online überhaupt noch nicht aktiv sind: meiner Meinung nach reicht ein Blog aus, auch hier können Sie statische, "feste" Seiten definieren, wie auf einer Homepage (s. wiederum Roadmap).

Wenn Sie die Lust packt und Sie den Aufwand für das Blog nicht scheuen: versuchen Sie es damit. Es gibt freilich Ausnahmen, Sie suchen bspw. Ihre Zielgruppe aus bestimmten Gründen nur auf Facebook. Oder Sie haben einen starken redaktionellen Teil bzw. bieten auch Membership Dienstleistungen an – dann sind Sie unter Umständen mit einem WordPress-Blog (Software) low equipped.

Ich richte mich aber an kleine Unternehmen im Endkundensegment, die nahezu kein zusätzliches Budget haben. Die anderen sind mit der Hilfe einer Agentur in den meisten Fällen besser beraten.

Leser aus anderen Lebenswelten mögen es einigermaßen befremdlich finden, dass ein Unternehmen, sei es nun klein, mittel oder groß, kein Budget für einen Werbekanal wie dem Blog hat. Diese Unternehmen gibt es. Manche können nicht. Und manche wollen (noch) nicht in etwas finanziell investieren ohne abzusehen, ob es sich für ihren Betrieb lohnt.

Ein Corporate Blog gepaart mit einer aktiven Gewinnung von Besuchern ist für viele die beste Lösung. Ein Blog fordert und fördert vom Blogbetreiber

  • Nachdenken / eine geistige Auseinandersetzung
  • Kreativität / das Blog "macht etwas" mit dem Weblogbetreiber / Entwicklung 
  • Kommunikation / Austausch mit anderen statt dumpfer Werbung

Falls Weblogs eines Tages, in 20 oder in 50 Jahren, bspw. durch technische Neuerungen abgeschafft werden sollten, würden diese Weblog Prinzipien trotzdem erhalten bleiben. Wer ausschließlich auf Facebook baut – ohne FB abwerten zu wollen – ist vom Wohl und Wehe der Plattform abhängig.

1999, als kleine und mittlere Unternehmen (von den großen Unternehmen und multinationalen Konzernen ganz zu schweigen) die Internetfrage gerade beiseite legen wollten, hat Tim Cole mit seinem "Erfolgsfaktor Internet. Warum kein Unternehmen ohne Vernetzung überleben wird" (Econ) den deutschen Mittelstand wachgerüttelt und für Furore gesorgt. Das war freilich kurz vor der Dotcom-Blase zum Jahrtausendwechsel.

Auch wenn es noch einige ohne Webpräsens gibt, heute fragt wohl kaum jemand ernsthaft, ob ein Unternehmen prinzipiell ins Internet gehen sollte. Eilig hat man sich manch findigen Agenturen einerseits oder dubiosen Homepagebaukastenlösungen andererseits zugewandt. Fast 15 Jahre später hat fast jeder einen Internetauftritt – mehr oder weniger rentabel, muss man leider konstatieren. 15 Jahre danach müsste die These lauten "Warum kein Unternehmen ohne Blog und Web 2.0 überleben wird."

Mein Appell wäre also: nutzen Sie das Bloggen, nutzen Sie das Web 2.0, verschlafen Sie nicht eine Entwicklung, die längst in Fahrt ist,  achten Sie aber darauf, dass das Ganze einen Nutzen für Ihr Unternehmen bringt, haben Sie dabei mittelfristig einen ausreichend langen Atem von wenigstens 1-2 Jahren. Dann wird das Blog mit hoher Wahrscheinlichkeit das beste Kosten-Nutzen Verhältnis aufweisen

Siehe auch: Klaus Eck, PR-Blogger, "Warum das Corporate Blogging besser als Facebook ist", 2012.

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